Wohnstallung Paulerverl-Haus

– Artikel zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Hans Bradl –

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Das älteste Wohnstallhaus von Pavelsbach, ein Hof mit dem Hausnamen « Paulerverl », wurde 1979 abgetragen und am neuen Standort des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen ( www.freilandmuseum.org ) wieder aufgebaut. Es wurde im Abschnitt « Juradorf » in alter Form (Zeitstellung 1800) errichtet.

Erste Errichtung in Pavelsbach:

  • 1524 – Besitzer war Ulein Schreiben
  • 1597-1623 war Besitzer Utz Schöffel
  • Ab 1623 Besitzer Paul Fries
  • Bis 1868 hatte die Familie Fries und deren Nachkommen das Anwesen in Besitz.
  • Dann folgen 1868 als Besitzer des Hauses und Grundstücks Ulrich Harrer und dessen Erben.

Der Großvater von Ulrich Harrer (katholisch) besaß bis 1868 das heutige Anwesen Michael Gömmel in Kemnath. Er verkaufte es an Georg Vitzthum (evangelisch) aus Großvoggenhof. In Kemnath blieb auf diesem Anwesen der Hausname « Harrer »  bis heute erhalten. Familie Harrer erwarb dann das Anwesen in Pavelsbach, heute Ludwigstraße Nr. 2.
Der letzte Besitzer war Ulrich Harrer. Er verstarb 2005 in der Seniorenstätte Kastl und ist in Pavelsbach beerdigt.

Die Gebäudebeschreibung im Urkataster von 1842 lautet: Wohnhaus mit Stallung, Wagenschupfe, Stadel, Schweinestall, Backofen, Brunnen und Hofraum zu 0,47 Tagewerk. Der Hof bestand aus 130,26 Tagwerk und wurde als Ganzer Hof bezeichnet, weil er über 100 Tagwerk hatte (1/4-Hoffuß). Zu ihm gehörte natürlich auch ein größerer Viehbestand, neben Kühen und Schubochsen (Zugochens) auch Pferde, soweit die äußeren Umstände dies zuließen.

Verschiedenen Teilinventare geben Einblick in die landwirtschaftliche Arbeit. 1863 mussten die Fries den inzwischen auf ca. 50 Tagwerk zurückgegangenen Restbesitz abgeben; das geschah in einem Tauschgeschäft mit Johann und Maria Meyerhofer in Pavelsbach, Nr. 51. Ebenfalls durch Tausch blieb der Hof in den Händen dieser Familie. Der Austragsbauer Ulrich Harrer (III) verkaufte das Wohnstallhaus 1979 an den Bezirk der Oberpfalz. Nebengebäude wie Stadel und Schupfe waren zu der Zeit nicht mehr vorhanden. Der bei dem transferierten Wohnstallhaus im Museum sich befindende Schweinekoben wurde rekonstruiert.

Bauhistorische Beschreibung

Das Wohnstallhaus wurde 1697 von Georg Fries neu erbaut. Der wiederaufgebaute Zustand im Freilandmuseum präsentiert allerdings die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die älteste Gebäudebeschreibung stammt von 1808:

« Ein ganzer Hof, bestehend in einem gemauerten Wohnhaus mit einem Stadel und Wagenschupfe, dann ein größerer und ein kleinerer Hausgarten ».

Dass zum Wohnhaus auch die Stallungen gehören, wird erst ca. 1840 aus dem Urkataster deutlich: Wohnhaus mit Stallung, Wagenschupfe, Stadel, Schweinestall, Backofen, Brunnen und Hofraum werden genannt. Es handelt sich um die typischen, zu einem größeren Hof gehörenden
Wirtschaftsgebäude, von denen nur noch das Wohnstallhaus erhalten blieb.

In der Stube (links vom Eingang) befindet sich eine Spundbohlendecke mit Schnitzwerk. Während sich an der Nutzung von Stube und Küche wohl nie etwas änderte, geschah dies bei den gegenüberliegenden Kammern. Wenn jetzt beim rekonstruierten Zustand der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zwei verschieden große Schlafkammern gezeigt werden, muss spätestens
1892 eine neue Einteilung dieses Traktes erfolgt sein, wie aus dem Bauplan hervorgeht: Ulrich Harrer ließ nämlich einen russischen Kamin in der Wand zwischen den beiden Schlafkammern einziehen, die wahrscheinlich zu dieser Zeit verkleinert wurden, weil Platz für eine Graskammer gebraucht wurde.

Das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen begann mit dem Kauf der historischen Hofstelle in Perschen bei Nabburg im Jahr 1977. 1979 erwarb der Bezirk 25 ha Waldfläche, die als Museumsgelände östlich von Neusath (3 km von Perschen entfernt) gestaltet wurde. 1986 wurde dann das Freilandmuseum eröffnet und in der Zwischenzeit erweitert, und zwar nach Baugruppen
a) Juradorf
b) Mühlental
c) Mittlere Oberpfalz
d) Stiftland
e) Waldlerdorf

Damit ist die Baugeschichte der Oberpfalz in den ländlichen Bereichen in der Zeitstellung von 1700 bis 1970 anschaulich dargestellt. Eine Vielzahl von alten Viehrassen belebt das Museum. Das Museum ist jeweils von April bis Ende Oktober zu besichtigen, mit Ausnahme von Montag.

Quelle: Heimatpfleger Hans Bradl, Amtsblatt Januar 2011 - www.postbauer-heng.de ( http://postbauer-heng.de/nathus/fdserver/262/file_5417.pdf )
Bild-Quelle: Mit freundlicher Genehmigung durch neumarktonline.de  (http://www.neumarktonline.de/art.php?newsid=66640 10.07.2011 )